1968 - aus dem Archiv - S-Bahn-Station Gonzenheim Haberweg

Neue S-Bahn-Station Gonzenheim - Haberweg
statt Fortführung der U-Bahnlinie U2 von Gonzenheim zum Bahnhof Bad Homburg
Neue S-Bahn-Station Gonzenheim - Haberweg
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Prognosen & Ziele
ANLAGE: Fund im Stadtarchiv
Bei der Durchsicht der historischen Ausgabe des "Taunusboten" vom 25. April 1968 fand sich kürzlich im Stadtarchiv folgender Zeitungsartikel:

Der Taunusbote
Ausgabe: Donnerstag 25. April 1968

"Die Stadtbahn wird über den Dornbach geführt".
Im Spätherbst 1969 soll die neue Streckenführung der 25 in Betrieb genommen werden.

Vor einiger Zeit veröffentlichten wir die Zuschrift unseres Lesers Wilhelm Löw, in der er an Hand einer Skizze den Vorschlag machte, die Linie 25, die zur Stadtbahn ausgebaut wird, nicht über den Dornbach zu führen, sondern auf den Gleisen der Bundesbahn zum Bahnhof Bad Homburg. Diese Linienführung würde etwa 3 Millionen DM einsparen. Zu diesen Ausführungen hat nun der Oberbürgermeister Dr. Klein Stellung genommen mit dem Schluß, dass die von Wilhelm Löw vorgeschlagene Lösung nicht nur den städtischen Forderungen widerspreche, sondern teurer sei und den Nachteil habe, wesentlich stärker in das Privateigentum einzugreifen.

Gemeinsam mit der Stadtbahn Frankfurt habe man die Gesamtkosten festgestellt. Diese liegen bei 4,7 Mill. DM. Davon fallen auf die baulichen Einrichtungen 2,5 Mill. DM, von denen die Stadt 750.000 DM zu tragen habe. Der Rest sowie die Kosten für die baulichen Einrichtungen werden für der Straßenbahn mit Zuschüssen von Bund und Land getragen. Es sei daher nicht möglich 3 Mill. DM einzusparen. Wilhelm Löw berücksichtige bei seinem Vorschlag nicht, daß er unmittelbar hinter der Haltestelle Gonzenheim mit einer Dammschüttung beginnen müsse, um die Höhe der Bundesbahnanlagen zu erreichen. Hierbei könne auch nicht der von der Stadt vertretene Grundsatz "Geringen Eingriff in Privateigentum" beibehalten werden. Es müßten bei diesem Vorschlag sechs Ein- bzw. Mehrfamilienhäuser beseitigt werden. So entstünden keine Minder-, sondern Mehrausgaben. Die nicht unerheblichen Mehrkosten im Bundesbahnbereich seien hierbei noch nicht erfasst. In der Stellungnahme heißt es,  daß die für die Stadtbahn notwendigen U6-Wagen von den Stadtwerken Frankfurts bereits bestellt sind. Im Spätherbst 1969 soll die Linie in Betrieb genommen werden, deren Homburger Endhaltestelle in Höhe der Bergmetall am Zubringer liegen wird. (heute ist hier der kleine Platz hinter dem Rathaus) Bis zur Gemarkungsgrenze Bad Homburg verläuft die Straße bereits jetzt auf eigenem Bahnkörper. Erst ab Haltestelle Gonzenheim liegt sie ohne eigenen Bahnkörper in der Frankfurter Landstraße und im weiteren Verlauf in der Louisenstraße bis zum Alten Bahnhof. Diese Trasse kann beim Ausbau nicht beibehalten werden.
Schon 1961 hat die Stadtverwaltung durch einen Verkehrsingenieur die ersten Untersuchungen der Nahverkehrslinie 25 vornehmen lassen. Im Gegensatz zu den anderen überortlichen Linien, wie z.B. der Schnellbuslinie, dient die Straßenbahnlinie 25 auch dem innerbezirklichen Verkehr zwischen Frankfurt und Homburg sowie umgekehrt. Drei Schwerpunkte zeigen sich bei den Untersuchungen:
Es besteht ein erheblicher Berufsverkehr zwischen Bad Homburg und Heddernheim.

Die Straßenbahnlinie hat den Einzugsbereich der Bad Homburger Geschäftsstadt in Richtung Ober- und Nieder-Eschbach erheblich erweitert.  

Durch den Ausbau der Stadtbahn wird Bad Homburg über eine schnelle und günstige Verbindung zur Innenstadt Frankfurt, aber auch darüber hinaus zum, Frankfurter Hauptbahnhof und nach dem endgültigen Ausbau bis nach Neu-Isenburg verfügen.
Unter diesen Gesichtspunkten habe man die Planung vorgenommen. Die Stadt ist der Auffassung,  dass der öffentliche Nahverkehr für eine Geschäftsstadt von großer Bedeutung ist. Aus diesem Grund wird die Ansicht vertreten, dass alle öffentlichen Nahverkehrslinien günstig und eng an das Geschäftsgebiet angeschlossen werden, um dem Fahrgast und Besucher der Innenstadt einen gefahrlosen und kurzen Weg zum Geschäftsgebiet anzubieten. Durch diese Maßnahme solle erreicht werden, daß nicht nur der Einzugsbereich des gut ausgebauten Geschäftsgebietes erweitert, sondern auch die Straßen vom Individualverkehr entlastet werden. Neben der Straßenbahn werden auch die innerstädtischen Busse und die überortlichen Buslinien in einer verkehrsgerechten Weise bis an das Zentrum der Innenstadt herangeführt.
Mit der Stadtbahn ist auch der Busbahnhof verbunden, wo die Fahrgäste im Berufsverkehr vom innerstädtischen Nahverkehr zur Straßenbahn umzusteigen.
Eine Verbindung der Linie 25 mit dem Bahnhof erschien der Stadt deshalb nicht richtig, weil nach den Ermittlungen die Fahrgäste zu über 95 Prozent nicht auf die Bundesbahnlinie umsteigen.
Bad Homburg hat keine Fernlinien. Es ist nicht anzunehmen, so heißt es in der Stellungnahme weiter, daß die Bevölkerung aus dem Bereiche Ober-Eschbach, Nieder-Eschbach oder Bonames mit der Straßenbahn nach Bad Homburg fährt, hier in den Vorortzug umsteigt, um dann die Fernlinien in Frankfurt zu erreichen. Es ist eher damit zu rechnen, dass diese Benutzer der Stadtbahn mit der Stadtbahn bis in den Hauptbahnhof Frankfurt fahren, um dann sofort die Fernlinien in Anspruch zu nehmen. In diesem Zusammenhang erübrigt sich, auf die wenigen Benutzer der Bundesbahnlinie Bad Homburg - Friedberg einzugehen.
Die Verkehrsuntersuchung hat sämtliche Haltestellen innerhalb des Stadtgebietes erfaßt. Bei einem Vorschlag von Herrn Löw fällt eine der wichtigsten Haltestellen im Bereiche der Langen Meile für den Berufsverkehr aus. Diesen Bürgern müsste ein erheblich weiterer Fußweg zugemutet werden.
Gemeinsam mit der Straßenbahn Frankfurt wurde die nunmehr festgestellte Planung ausgearbeitet. Es mußte, um erhebliche Baukosten zu vermeiden, eine neue Trasse gesucht werden. Hier bot sich der Dornbach, da dieser in einer ausreichenden katastermäßigen Breite vorhanden war, an. Neben den städtebaulichen Gesichtspunkten war von ausschlaggebender Bedeutung, daß so wenig wie möglich in das Privateigentum und aber auch in die Bausubstanz eingegriffen wird. Die Trasse im Zuge des Dornbaches erfüllt diesen Gesichtspunkt.
(Ende des Artikels.)

Ist es nicht erstaunlich, dass nun im Jahre 2019 - also genau 50 Jahre nach der beabsichtigten Fertigstellung der Verlängerung der Stadtbahn-Linie 25 (U2) zur Innenstadt im Jahre 1969, - gegenteilig entschieden wurde ?
1968 sollte die bereits planfestgestellte Strecke von Gonzenheim über den Dornbach, hin zum Bergmetall-Verwaltungsgebäude (abgerissen) am Marienbader-Platz verlaufen.

Heute wird die U2 im Sinne von Herrn Wilhelm Löw´s Idee, der bereits 1968 der Stadt vorschlug, die Stadtbahnlinie 25 (U2) bis zum Bahnhof Bad Homburg zu bauen, umgesetzt.
Und sie dreht sich doch, die Welt. Exakt um 180 Grad.

Ob wir die Fertigstellung noch erleben werden? :)


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